Multiple Sklerose therapieren
Bei der Behandlung der Multiplen Sklerose wird zwischen der akuten Schubtherapie, der immunmodulierenden Langzeittherapie sowie der Therapie einzelner neurologischer Defizite unterschieden. Gemeinsames Ziel all dieser Behandlungsansätze ist es, die Lebensqualität des Patienten sowie seine Selbstständigkeit zu unterstützen und so lange wie möglich aufrechtzuerhalten.
Therapie einzelner neurologischer Symptome
Da bei MS-Patienten prinzipiell jede Stelle des ZNS von autoaggressiven Antikörpern befallen sein kann, können sich viele unterschiedliche Symptome bemerkbar machen. Einige Patienten leiden z. B. unter chronischer Erschöpfung (Fatigue). Dieser kann u. a. mit körper- und konzentrationsorientierten Methoden wie Feldenkrais, Qigong, Eutonie, aber auch Gymnastik und regelmäßiger körperlicher Aktivität begegnet werden. Männliche MS-Patienten können mitunter von Erektiler Dysfunktion betroffen sein. Neben einer medikamentösen Therapie (z. B. mit PDE-5-Hemmern) können operative Verfahren oder auch der Einsatz einer Vakuumpumpe probate Wege sein, die „Manneskraft“ wieder in den Griff zu bekommen. Leiden MS-Patienten an Ataxie oder Tremor, kann der behandelnde Arzt – abhängig vom Schweregrad der Beeinträchtigung – die Gabe von Betablockern in Erwägung ziehen. Einige Patienten haben zudem gute Erfahrungen mit Coldpacks und/oder kalten Bädern machen können.
Die Schubtherapie
Um im Falle eines akuten Schubs die Rückbildung der Symptome einzuleiten bzw. zu beschleunigen, werden MS-Patienten mit Kortison-ähnlichen Medikamenten behandelt: Die hoch dosierten Glukokortikoide, die den Betroffenen in Infusionsform verabreicht werden, entfalten im ZNS eine entzündungshemmende Wirkung und sorgen dafür, dass die Blut-Hirn-Schranke für die autoaggressiven Antikörper weniger durchlässig wird. Wenn dieses Verfahren auch nach einem zweiten Versuch nicht die gewünschte Wirkung zeigt, kann alternativ eine Plasmapherese (Blutwäsche) in Erwägung gezogen werden.
Langzeittherapie der MS
Im Rahmen der MS-Langzeittherapie werden Patienten entweder mit Immunmodulatoren oder mit Immunsuppressiva behandelt. Intravenöse Immunglobuline (IVIG), Natalizumab sowie Interferon-beta gehören in die Gruppe der Immunmodulatoren. Insbesondere Interferon-beta wird nach heutigen Therapiestandards frühzeitig eingesetzt, um nach einem erstmaligen Auftreten der Erkrankung einen zweiten Schub hinauszuzögern. Als Antagonist zum entzündungsfördernden Gamma-Interferon hemmt Interferon-beta das Entzündungsgeschehen bei MS durch die Bildung von spezifischen Antikörpern und bremst bestehende Entzündungen aus. Immunsuppressiva wie Cyclophosphamid, Mitoxantron und Azathioprin erreichen eine Dämpfung des Entzündungsgeschehens im ZNS, indem sie die Vermehrung von weißen Blutkörperchen, zu denen die T-Zellen gehören, unterbinden.
msf